Vesbeck - stadtfuehrungen

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Gegen Ende des 12. Jahrhunderts ist der Ort zum erstenmal in einer Urkunde erwähnt. „Vasbike“ heißt es dort, um 1260 findet sich die Schreibweise „Visbeke“ und schließlich - etwa seit Mitte des 16. Jahrhunderts - lautet der Name einheitlich „Vesbeck(e)“.
Es mag zwar auf den ersten Blick nicht diesen Anschein erwecken, aber die unterschiedlichen Vokale „a“, „i“ und „e“ bei nur wenig urkundlichen Belegen machen Sprachforschern erhebliche Probleme. Denn so ist es schwierig, eine einheitliche Grundform des Ortsnamens zu rekonstruieren, von der sich dann die Bedeutung wirklich schlüssig herleiten lässt. Problematisch ist hier in erster Linie der Beleg „Visbeke“, also der Ortsname mit dem „i“. Das spätere „e“ lässt sich sprachgeschichtlich relativ gut aus dem älteren „a“ ableiten, aber wie ist das „i“ in die Überlieferung gekommen?
Wieder lässt sich der Dorfname in zwei Elemente unterteilen: einmal in „Vas-“/„Vis-“/ „Ves-“ und dann in „-bek(e)“. Letzteres ist einfach zu erklären: es ist das alte plattdeutsche Wort „beki“ (auch „biki“, später „beke“) für „Bach“. Es ist also der am Ort vorbeifließende Bach - „große Beeke“ heißt nichts anderes als „großer Bach“ -, der dem Dorf seinen Namen verleiht. Was aber liegt an diesem Bach, was bedeutet nun das erste Element in der Ortsbezeichnung?
Der Beleg mit dem „i“ im Namen - „Visbeke“ - kann als „Fischbach“ gedeutet werden. Der Fisch hieß im alten, frühen mittelalterlichen Plattdeutsch „fisk“, im späteren mittelalterlichen Platt „visch“ oder „vis“. Nur leider trifft diese Deutung für alle anderen urkundlichen Belege nicht zu. Hier heißt es einmal „a“ und dann ausschließlich „e“ an der Stelle, wo nur einmal das „i“ vorkommt.
Die heutige plattdeutsche Form „Veß“ für „Fisch“ passt genau aus dem Grund nicht, weil die Wortformen mit „e“ im Ortsnamen viel älter sind. Und zu jener Zeit hieß der Fisch eben noch „vis(ch)“ und nicht „veß“. Forscher müssen hier also nach einem anderen Wort suchen, das ein „a“ besaß, und mehr noch: es muss ein „a“ sein, das sich im Verlauf der Zeit zum „e“ entwickeln konnte. Zwar ist diese Suche erfolgreich gewesen, doch ganz sicher ist alles nicht.
Zunächst gibt es die Möglichkeit, dass sich das erste Element in der alten Bezeichnung „Vasbike“ aus dem alten platt- und hochdeutschen Wort „waso“ entwickelt hat, das soviel wie „Rasenstück“ oder „Erdscholle“ meint. Im Plattdeutschen entwickelte sich im späteren Mittelalter daraus das Wort „wase“ (geschrieben auch „vase“) mit der Bedeutung „Marschboden“, „Schlamm“ oder auch „Erdscholle mit Graswuchs“. Nach dieser Deutung hieße „Vesbeck“ soviel wie „schlammiger Bach“.
Das klingt einerseits ausgesprochen einleuchtend für eine Siedlung an einem kleinen Fluss, doch erscheint hier ein Problem, das für Sprachforscher nicht unwichtig ist. Es geht um die Aussprache des Wortes. Das mittelalterliche „wase“/„vase“ würde ausgesprochen wie unser modernes Wort „Vase“ (= „Gefäß, in das man Blumen stellt“), und dann müsste der Ortsname „Vesbeck“ heute ebenso ausgesprochen werden, das „V“ also auch wie in „Vase“ und nicht wie in „Fisch“ oder „Fahrrad“.
Eine zweite Möglichkeit, die nicht sehr einleuchtend erscheint, sei hier ebenfalls kurz erwähnt. In Frage kommen könnte auch das alte Wort „wes-“ für „scharf“ oder „gezackt“. Das macht allerdings für die Lage Vesbecks wenig Sinn, denn die Beeke ist nicht „gezackt“ beziehungsweise macht in ihrem Flusslauf keine scharfe Biegung.
Es gibt jedoch noch eine dritte Möglichkeit. Im mittelalterlichen Platt ist auch das Wort „vese“ überliefert. Es kann eine „kleine Faser“ bezeichnen, oder auch ein „Fädchen“, ein „Zweiglein“ und mehrere andere Dinge, die alle in einer Art Verkleinerungsform stehen.
Das heißt, „vese“ ist im speziellen auch eine Bezeichnung für etwas Kleines seiner Art. Setzt man dies mit „beke“ zusammen, kann sich für die Bedeutung des Ganzen so etwas wie „kleiner Bach“ oder „Bächlein“ ergeben. Ganz unanfechtbar ist diese Lösung jedoch von der grammatischen Seite her nicht, und leider fehlen wie so oft andere Aufzeichnungen aus der mittelalterlichen Zeit, mit denen so eine Möglichkeit dann schlüssig belegt werden könnte.
Darüber hinaus ergäbe sich mit dem Ansatz „vese“ noch eine weitere Möglichkeit für die Bedeutung des Ortsnamens, die allerdings letztendlich auch nicht völlig sicher ist. Wenn Sprachforscher nicht das spätere mittelalterliche Wort „vese“ für das erste Element im Namen „Vesbeck“/„Vasbike“ ansetzen, sondern die ältere Form „faso“ (auch in der Schreibweise mit „v“ als „vaso“ möglich), die „Faser“ oder „Faden“ meint, dann ließe sich für den Ortsnamen „Vesbeck“ schließlich eine Bedeutung herleiten, die soviel hieße wie „fadenförmig verlaufender Bach“.
Doch wie bereits erwähnt - ganz sicher sind alle diese Möglichkeiten nicht, und so muss die Bedeutung des Ortsnamens letztendlich im Dunkeln bleiben.

 
 
 
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