Neustadt am Rübenberge - stadtfuehrungen

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Bei dieser Ortsbezeichnung sind gleich zwei Namen zu erklären, und vor allem der zweite, der Beiname „Rübenberg“, ist ausgesprochen interessant. Ein solcher Berg ist viel gesucht, doch nie gefunden.
Neustadt selbst wird in einer Urkunde der Grafen von Wölpe vom 27. Dezember 1215 zum erstenmal erwähnt - lateinisch natürlich, wie alles im Geschäfts- und Rechtsverkehr zu jener Zeit. „De Nova Civitata“ heißt es dort und meint schlicht „neue Stadt“. Erst im 14. Jahrhundert setzen die niederdeutschen Bezeichnungen ein, wie „Nygenstad“ und „Nienstad“, und schließlich setzt sich das hochdeutsche „Neustadt“ durch.
Der Zusatz „Rübenberg“ ist seit dem 15. Jahrhundert zu finden: erst als „Röuwenberg“, „Rovenberg“, „Rubenberg“, einmal auch als „Ruhveberg“, später so wie er noch heute bekannt ist. Über die genaue Bezeichnung haben Historiker und Sprachforscher lange Zeit spekuliert.
An einen echten Rübenberg wurde gedacht, weil Rüben in der Neustädter Gegend angeblich gut wachsen. Ein Räuberberg wurde in Erwägung gezogen, doch derartige böse Gestalten sind nirgends bezeugt. In einem einzigen Beleg kann der Name „Ruhe-Berg“ bedeuten, doch weil alle anderen Belege anders leuten, ist diese Deutung zu verwerfen.
Sprachgeschichtlich ist etwas anderes sehr plausibel: „rauh“ kann das Attribut gewesen sein, das zum „Berg“ gestellt wurde, Neustadt also die Stadt „am rauhen Berge“ geheißen haben. Jene Form „am rauhen“ hieße im mittelalterlichen Platt „am rouwen“, „am röuwen“ oder auch „am rowen“ - genau so, wie es auch in den Urkunden zu finden ist.
Mit diesem „rauhen Berg“ wäre historisch und geologisch gesehen dann eine leichte Erhöhung im felsigen, flussnahen Sandstein gemeint - und einen solchen Hügel gibt es in Neustadt tatsächlich: westlich des Leineufers, dort, wo das Schloss Landestrost steht. Zu diesem alten „rouwenberg“ gehört die gesamte Sandsteinplatte, die als „Riff“ bis in den Fluss hineinragt, beispielsweise dort, wo sich die Wasserfälle in der Leine befinden.
Wie aus dem rauhen „Rouwenberg“ der „Rübenberg“ wurde, ist folgendermaßen zu erklären: keinerlei Verballhornung des Namens zeichnet dafür verantwortlich, wie noch heute vermutet wird, sondern ein einfacher Lesefehler eines spätmittelalterlichen Stadtschreibers, der kein plattdeutsch konnte. Er interpretierte ein Wort falsch, übersetzte dieses dann richtig ins Hochdeutsche - und „Neustadt am Rübenberge“ war geboren.
Bei der Rekonstruktion einer Bedeutung aus den überlieferten Formen heraus, gibt es sprachgeschichtlich und grammatisch genau zwei Möglichkeiten, was das Bestimmungswort „rö(u)wen“ in der Bezeichnung „am rö(u)wenberge“ heißen könnte. Und exakt diese beiden Möglichkeiten sind es offenbar gewesen, die schon damals für Verwirrung sorgten.
Entweder handelt es sich um das mittelalterliche plattdeutsche Adjektiv „ruw(e)“/ „ru“ (mit langem „u“)/„ruch“ (ebenfalls mit langem „u“)/„röuw(e), was eben nichts anderes als das oben erwähnte „rauh“ bedeutet. In die Form „am ... Berge“ gesetzt, bekäme es die Dativ-Endung „-en“ und lautete damit „rö(u)wen“. - Oder aber das Bestimmungswort „rö(u)wen“ in der Bezeichnung „am rö(u)wenberge“ ist das mittelalterliche plattdeutsche Substantiv „roeven“/„röven“/„röwen“, und dies heißt tatsächlich „Rüben“!
Ausschlaggebend für die Unterscheidung wäre hier die Aussprache des geschriebenen „w“. Spräche ein Sprecher diesen Buchstaben nicht aus wie unser heutiges deutsches, sondern wie das englische „w“, dann würde er die geschriebene Form „rö(u)wen“ als „rauhen“ interpretieren. Spräche er das „w“ aber als deutsches „w“ aus, weil er nicht wüsste, dass es im (mittelalterlichen) Platt anders auszusprechen wäre, dann würde er die geschriebene Form „rö(u)wen“ als „Röven“ interpretieren, also als „Rüben“. Es hat den Anschein, als wäre genau dies passiert - die Namensgebung als kurioser, aber simpler Lesefehler.
Für die Herleitung der Namensbedeutung heißt das Ganze natürlich, dass die Version „am Rübenberg“ sprachlich ganz genauso zutreffend wäre wie die Version „am rauhen Berg“. Aber weil in Neustadts Geschichte von „Rüben“ nichts erwähnt ist - von solchen besonders hochwertigen Feldfrüchten hätte etwas erwähnt werden müssen, wenn sie so bedeutend gewesen wären, dass man eine Stadt danach benannte! - und es andererseits die rauhe Felsenplatte gibt, auf der schon die erste mittelalterliche Festung erbaut worden war, wird die eine Möglichkeit ganz klar favorisiert.

 
 
 
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