Mandelsloh - stadtfuehrungen

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Bereits aus der Zeit um 990 stammt der erste urkundliche Beleg, und viele weitere gibt es bis ins frühe 16. Jahrhundert. Sie alle haben gemeinsam, dass ihnen das „l“ von „Mandel“ fehlt: „Mandeslum“, „Mandeslo“ oder „Mandesle“ lauten die Namen in den alten Urkunden. Erst seit 1525 findet sich durchgehend „Mandelslo(h)“. Sprachforscher stehen hier vor mehreren Problemen, und wie so oft ist die scheinbar offensichtlichste Lösung gar nicht die plausibelste.
Der Name besteht wiederum aus zwei Elementen, und bei beiden tauchen Schwierigkeiten auf. Das sogenannte Grundwort im Ortsnamen, das zweite Element, scheint einfach „-lo(h)“ zu lauten, also das altbekannte Waldwort zu sein, das ein Gehölz, einen Wald oder in der noch älteren Bedeutung auch eine Lichtung im Wald bezeichnete. Hier fällt allerdings der älteste urkundliche Beleg aus dem Rahmen, wo jenes „-lo(h)“-Element als „-le“ auftaucht.
So stellen sich Sprachforscher die Frage, ob nicht erst später „-lo(h)“ in den Namen hineingedeutet wurde und als Ausgangsbasis ein anderes Wort zu suchen ist. Dafür spricht die genaue Untersuchung aller älteren Belege, insbesondere die der zahlreichen Versionen „Mandesle“. Eine solche Form kommt bei „echten“ -loh-Orten nur sehr selten vor, wie ein detaillierter Vergleich mit ähnlichen Ortsnamen ergeben hat. Also haben Forscher nach einem anderen alten Wort gesucht und tatsächlich eines gefunden.
In heutigen deutschen Dialekten ist es nicht mehr bezeugt, im mittelalterlichen Platt sowie in Ortsnamen aus Schleswig-Holstein, dem südlichen Niedersachsen, nördlichen Hessen und nicht zuletzt auch aus England taucht es jedoch noch auf. „sloh“ heißt dieses alte Wort (gesprochen: „slooch“, später „sloo“, als Variante auch „slooche“) und hat die Bedeutungen „Wiese“, „Bruch“, aber auch „Morast“, „Pfütze“, „Schlamm“. Es kann auch ein „unebenes Gelände mit Tümpeln, Löchern und Gräben“ bezeichnen.
Für die Lage des Dorfes Mandelsloh an der unteren Leine erscheint so eine Bezeichnung beinahe noch plausibler als eine Bezeichnung mit dem Element „Wald“, und von der sprachgeschichtlichen Seite her ist es aufgrund der Belege wahrscheinlicher. Zerlegt man also den Namen „Mandelsloh“ - oder besser: seine Vorform „Mandesloh“ - nicht in „Mandes-loh“, sondern „Mande-sloh“, so gewinnt man für das Grundwort die Bedeutung „Sumpf“, „Morast“ oder „Schlamm“. Bleibt noch die Frage nach der Bedeutung von „Mande-“.
Auch dieses erste Element im Namen macht Schwierigkeiten. Die Entwicklung des Ortsnamens zeigt, dass der Name mit „Mandel“ zunächst gar nichts zu tun hatte. („Mandel“ kann übrigens viele verschiedene Bedeutungen haben: es kann eine „Föhre“ oder „Kiefer“ bezeichnen, eine „Mandel“ oder auch „15 Stück“.) Erst später drang dieses Wort in den Ortsnamen ein, wurde ihm quasi „übergestülpt“, und warum dies geschah, ist unklar. Möglicherweise war den spätmittelalterlichen Schreibern die alte Form „Mandeslo“ nicht mehr geläufig, und sie taten etwas, das für ihren Berufsstand durchaus nicht ungewöhnlich war: sie änderten die Schreibweise so, wie sie es für richtig hielten. Und vielleicht hielten sie das alte „Mandeslo“ schlichtweg für einen Überlieferungsfehler, glaubten also, es müsse richtiger wohl „Mandelslo“ heißen.
Was aber heißt nun „Mande“, wenn von den ältesten Belegen auszugehen ist? Diese Frage hat viele verschiedene Antworten erfahren. An einen Personennamen wurde gedacht, was durchaus möglich erscheint. Es gibt aber auch andere Wörter, die Sprachforscher hier rekonstruieren können. Das „beste“ dieser Wörter, also das Wort, das nach Abwägung diverser sprachlicher Faktoren am ehesten in Frage käme, ist ein uraltes Wort namens „mendh-“, das die Bedeutung „quirlend“ und „drehend bewegen“ hatte. Es ist in der heutigen Sprache längst nicht mehr erhalten.
Interessant ist aber, dass sich im Laufe der Zeit ganz bestimmte „Ableger“ dieses alten Wortes entwickelten, die einen direkten Zirkelschluss zu „Mandelsloh“ erlauben. Denn ein deutscher Nachfahre des uralten Wortes „mendh-“ ist ausgerechnet die Form „Mandel“. Dieses Wort bezeichnet allerdings nicht die bekannte Frucht - das Wort „Mandel“ in diesem Zusammenhang ist aus dem Lateinischen entlehnt -, sondern ein anderes Wort, das zum Beispiel in der Bezeichnung „Mandelholz“ (= „Rollholz, walzenförmiges Holz“) enthalten ist.
Die Frage, ob die Wortform nun „Mande-“ oder „Mandel-“ lautet, ist eigentlich fast gar keine, weil das eine Wort aus dem anderen hervorgegangen sein kann, und beide Wörter daher im Grunde das gleiche bezeichnen können.
„Mandesloh“/„Mandelsloh“ meint nach dieser Deutung also so etwas wie „quirlender, sich drehender Sumpf“ oder „sich drehend bewegendes Sumpfgebiet“. Der Ortsname enthielte damit eine sehr altertümliche Wort-Zusammenstellung und einen Hinweis auf die außergewöhnliche Lage des Dorfes: Halbkreisförmig liegen die alten Höfe an einer Ausbuchtung der Leine, die vielleicht bei Hochwasser immer wieder überflutet wurde und Morast und Schlamm hinterlassen hat.

 
 
 
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